„Hamburg räumt auf“

Die Aufräumaktion, die am Sonntag im Hamburger Schanzenviertel stattgefunden hat, empfinde ich als höchst problematisch. Nicht, weil ich etwas dagegen hätte, dass Anwohner*innen ihren Stadtteil putzen. Sondern weil ich die mediale Inszenierung, die dahinter steht, fragwürdig finde. „Hamburg räumt auf“ reproduziert meines Erachtens die Erzählung, es wären „Fremde“ in das Viertel eingefallen, Menschen, die nicht von hier kommen und mit denen wir nichts zu tun haben. Stimmt nicht und stimmt nicht. Hamburg als solidarische und saubere Stadt gegen die Zerstörung, die die Anderen angerichtet haben, das scheint mir der Tenor der Veranstaltung zu sein. Sich dabei medial zu inszenieren und am Ende noch von denjenigen, die politisch die Verantwortung für die Ausschreitungen tragen, auf die Schulter klopfen zu lassen ist mir absolut unverständlich.

Die Schanze gehört ein bisschen dreckig. Sie sauberer zu machen, als sie vor den Ausschreitungen war, ist kein reines Aufräumen mehr. Es ist Gentrifizierung. Als wäre das noch nicht genügend Grund, sich Gedanken zu machen, tauchte auf der facebook Seite der Astra Stube ein Foto von einem Zettel auf, auf welchem dazu aufgefordert wurde, die Schanze doch bitte auch von linken Clubs zu säubern. Die treffende Reaktion der Astra Stube: „Das letzte Mal, als in Deutschland von Reinigung und Säuberung die Rede war und an Läden Schilder gehangen wurden, hat uns das in das dunkelste und abscheulichste Kapitel der Deutschen Geschichte gebracht.“

Was kommt da auf uns zu, wenn Kassiererinnen bei Edeka lauthals schreien, man solle „sie alle ins KZ stecken!“ und niemand widerspricht, wenn solche Zettel an unbeteiligten Musikclubs auftauchen und die Idee, „Rock gegen Links“ zu veranstalten, in den sozialen Medien kursiert?
Die Ereignisse von Freitag Nacht erfordern eine umfangreiche Analyse. Sie lassen sich nicht einfach mit dem Schlagwort „Linksextremismus“ erklären. Und die dahinter liegenden gesellschaftlichen Probleme lassen sich garantiert nicht mit einer Hetzjagd auf Linke lösen!

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